wipress

Ordnung muss sein

Problemmüll

Ihr Umweltbewusstsein können die Bürger hierzulande immer mal wieder unter Beweis stellen, sei es, dass sie sich bei der Aktion ,,Rhinecleanup“ beteiligen – früher hieß dies schlicht und allgemeinverständlich Dreckwegtag – sei es, dass sie das Angebot nutzen und schädliche Abfälle bei der städtischen Problemstoffannahme entsorgen.

Das ist dann der richtige Zeitpunkt, um endlich einmal im Arzneischrank Ordnung zu machen. Auch hier sammelt sich im Laufe der Zeit allerhand an, was nach längerer Lagerung mehr schadet als nützt.

So wurde auch bei uns das Gebot der Stunde genutzt und den Dosen und Tuben, Fläschchen und Pillenschachteln zu Leibe gerückt. Der Hustensaft für Kinder bis zum sechsten Lebensjahr konnte ebenso ausrangiert werden wie das Puder zur Behandlung von Windpocken, die wir seit Jahrzehnten überstanden haben. Auch die zerknitterte Tube, in der sich wohl früher eine Salbe befunden hatte, die sich jetzt allerdings nur noch mühsam in Bröckchen herausdrücken ließ, wanderte in die Tüte für den Problemmüll, ebenso der Zwei-Komponenten-Kleber, der aus unerfindlichen Gründen im Arzneischrank gelandet war, und ein paar lose bunte Pillen, deren Herkunft und Zweck beim besten Willen niemand mehr ausmachen konnte.

Während sich die gelbe Kamillen-Salbe als noch durchaus verwertbar erwies, gab der ähnlich gefärbte Inhalt einer anderen Tube Rätsel auf. Sein stechender Geruch machte mich misstrauisch, und ich versuchte, die schon ziemlich abgeblätterte Schrift der aufgerollten Tube zu entziffern. ,,Duna mustar“ stand da zu lesen – was das wohl bedeuten mochte ? Eine kurze Nachfrage im mit einer Vielzahl von Fremdsprachen vertrauten Freundeskreis gab Aufschluss: Es handelte sich um eine Tube Senf, Überbleibsel aus dem letzten Ungarn-Urlaub. Es geht eben nichts über Ordnung im Haushalt.

Brutzler kontra Schnarcher

Das Grillen, neudeutsch auch Barbecue genannt, ge­hört zum liebsten Sommer­vergnügen der Westeuro­päer und hat jetzt wieder Hoch­saison. Wer am Wochen­ende spätnachmittags oder abends durch das städtische Wohnviertel spaziert,  dem zieht von vielen Gärten der Rauch vom Holzkohlefeuer und der Duft von Gebratenem angenehm durch die Nase.

Weniger angenehm mögen Rauch und Bratenduft den Frischluft-Fetischisten sein, die gerne in schwülwarmen Nächten bei offenem Fen­ster schlafen. Während die Freizeit-Brutzler ihre knac­kigen Würstchen, krossen Spieße und würzigen Steaks auf dem Rost garen, kann beim benachbarten Schnarcher leicht Wut hochkochen – dem einen schmeckt’s, dem anderen stinkt’s

Höchstrichterlichen Ur­teilen zufolge muss beim Grillen das Landesimmisionsschutzgesetz beachtet werden. Und danach ist das Grillen auf Balkon oder Terrasse verboten, wenn Nachbarn durch Qualm oder Rauch durch Grillen in ihren Wohnungen belästigt werden. Wer also Waldduft liebt, braucht Rauch- und Bra­tengeruch im Schlafzimmer nicht zu dulden. Der Brutzelfreak darf  Nachbars empfindliche Nüstern nicht beeinträchti­gen, sonst kann’s teuer werden. Vielleicht ist es da doch besser, den Nachbarn samt Anhang zur Grillparty ein­zuladen. Billiger als ein Bußgeld kommt das alle­mal.

Charmant

Dieses großzügige Anwesen bietet einen Charm, der seinesgleichen sucht, auf insgesamt 240 m² wurden hier nur feinste Materialien verwendet von edlem Naturstein über schöne dunkle und helle Hölzer. Auf insgesamt ca. 165 m² Wohnfläche verteilt auf große lichtdurchflutete Räume, lädt Sie dieses Haus in herrlicher Lage zum entspannen ein …“

So war im Exposé einer Immobilienagentur zu lesen. Schön, dass der Verkäufer der Immobilie für den Bau seines Hauses nur feinste Materialien verwendet hat. Der Makler hätte es ihm gleichtun und jemanden an sein Exposé setzen sollen, der sich mit den Feinheiten der deutschen Sprache auskennt. Dann hätte er einen feinen Text mit richtigem Charme bekommen, der auch die Leser zum Entspannen bringt.

Geschenkt

Sie kommen per Post, per E-Mail oder landen als Wurfsendung im Briefkasten: die sogenannten Gratis-Geschenke. Und sie sind eine Zumutung, zumindest in sprachlicher Hinsicht. Denn das aus dem Lateinischen stammende Wort gratis bedeutet ja nichts anderes als kostenlos. Und was anderes sollte ein Geschenk sein als eine kostenlose Gabe. Wozu also dieses unerträgliche, jedes Sprachgefühl missachtende Doppelgemoppel? Bei mir landen diese Angebote jedenfalls unverzüglich im Papierkorb – ob analog oder digital. Und verfehlen somit eindeutig ihren Zweck. Sie sind nämlich nicht nur gratis, sondern völlig umsonst.